"Oliver Blum interessiert sich für das natürliche wie das künstliche Licht, das Licht am Ende eines Tunnels wie für das der Erleuchtung. Als weit gereister Ethnograph des Lichtes dokumentiert er die diversen Lichtkulte vom Ganges bis an den Main. Religiöse Lichterfeste oder Inszenierungen nächtlicher Stadtansichten stellen seine Bildergalerien in eine Reihe. Dass eine gute Licht-Regie selbst banalen und alltäglichen Situationen eine höhere Bedeutung geben kann, diese transzendierende Wirkung des Lichtes zeigen Blums Bilder ebenso wie auch das Gegenteil: dass schrill bunt beleuchtete Gebäude aussehen können wie traurige Clowns.

Blum entwickelt Architektur-Photographien der Nacht in ihrer ganzen Ambivalenz. Und am liebsten fängt Oliver Blum dann mit dem Bilder-Machen an, wenn auch die Letzten erschöpft zu Bett gegangen sind. Seine Photographien wirken wie aus der Wachzeit gefallen, sie erzählen von den Nachtseiten der Existenz auf Erden. Rare Bilder von den jungen Boom-Towns Shanghai und Hongkong, aus Rom, der ewigen Stadt, von der Skyline Frankfurts oder aus dem Wilden Westen der USA zeigen eine Welt, in der das menschliche Leben für einen kurzen Moment lang gleichsam erstorben ist.

Blums Bilder suchen diesen Zero-Punkt, diese Stunde der Wahrheit, in der die Betrachter nichts und niemand ablenkt, sie auf sich selbst zurückgeworfen sind. In diesem Momentum offenbaren sich die Bühnen und Kulissen der menschlichen Komödie in ihrer ganzen Erhabenheit und Erbärmlichkeit, in ihrer Unwirtlichkeit und in ihrer Heimeligkeit. Es sind Bilder von Welten auf der Kippe zwischen Tag und Nacht, zukunftsfrohem Tatendrang und melancholischem Selbstzweifel. Philosophische Bilder. Oliver Blum ist ein zeitgenössischer Romantiker, dessen Photographien viel über seine Forschungsreisen in die Nacht erzählen und auch eine Menge über ihn selbst."

Helmut M. Bien, Kurator Luminale Frankfurt/M.